„Wir lieben uns nicht“
Dieses Mantra wiederholen wir, seitdem wir uns kennen.
Alles läuft daraus hinaus, wir lieben uns nicht.
Ich weiß nicht, wie oft wir es mittlerweile gesagt haben, wie oft diese Worte ausgesprochen, vor uns, vor anderen vor uns selber.
Manchmal frage ich mich, wieso wir es so oft wiederholen müssen. Wieso wir es uns immer wieder sagen, wo es doch eigentlich klar ist?
Ich erinnere mich an unseren ersten Abend, wir saßen auf dem Stammi und haben nichts um uns rum wahr genommen, nur uns beide. Kaum eine Sekunde haben wir weggeschaut. Sind versunken in den Augen des anderen.
Nein, gekribbelt hat es nicht.
Man konnte nur nicht wegschauen.
Der erste Kuss folgte an diesem Abend. Es hat direkt funktioniert, hat sich richtig angefühlt.
Nein es hat nicht gekribbelt.
Es war nur eine Verbindung da.
An diesem Abend schon das zweite Date ausgemacht. Ich sollte für dich kochen. Ja ich war nervös, ob dir mein Essen schmeckt, ob es dir bei mir gefällt.
Den Abend über viel gelacht, hatten uns immer etwas zu erzählen. Haben uns viel geküsst. Viel angeschaut.
Nein, es kribbelte nicht, war einfach nur ein wundervoller Abend.
Dann die Aussage, lass uns Freunde sein, es kribbelt nicht. Ich bin kein Mann für eine Affäre.
Ok, kein Problem, denn es kribbelt ja wirklich nicht.
Das nächste Treffen mit dem Vorsatz nur befreundet zu sein, dieser endete nach 30 Sekunden als wir uns auf den Mund küssten.
Die Nacht bei einander verbracht, dass erste Mal , die Harmonie war unbeschreiblich, es hat einfach gepasst.
Nein, es hat nicht gekribbelt, es war einfach nur eine wunderschöne Nacht.
So ging es weiter, wir trafen uns, schauten uns an, verloren uns ineinander und planten. Freundschaft und Sex, wir schaffen das, immerhin sind wir erwachsen.
Nach einem Monat kam das gemeinsame Wochenende in Hamburg.
Wir hielten Händchen, knutschen öffentlich, gingen zusammen auf eine Party und waren uns selbst genug.
Nein es kribbelte nicht, wir brauchten nur niemand anderen und verhielten uns wie ein Pärchen.
Kurz vor der Abfahrt, sah ich dich an und sah, dass sich etwas geändert hat. In deinem Blick. Du warst nicht mehr glücklich, sondern hast dir Gedanken gemacht.
Gedanken darüber, warum es sich so richtig anfühlt, warum die Nähe und die Intensität so schön sind, obwohl es doch nicht kribbelt. Du hast dich entfernt.
Von mir.
Zwei Tage später hast du es beendet, es war dir zu viel.
Immerhin lieben wir uns nicht und ich würde nicht in dein Lebenskonzept reinpassen.
Es könnte zu weh tun, wenn wir weiter machen würden. Du willst mich nicht verletzten.
Wir redeten lange und wollten es dann doch weiter führen, denn ein Risiko kann man abwägen, wir sind immerhin erwachsen und können auf uns aufpassen.
Die Harmonie im Spiel war atemberaubend, es passte einfach. Wir fügten uns zusammen und erlebten wunderschöne Tage und Nächte.
Wir haben einfach nur eine schöne Zeit. Jeden Tag redeten wir, telefonierten.
Der Donnerstag, der alles veränderte, begann mit einem Streit. Wir stritten, weil ich mir nicht mehr anhören wollte, dass du Angst hast, mich zu verletzten. Ich wollte, dass Schluss ist, dass wir nur noch Freunde sind. Kein Sex mehr. Es war mir zu kompliziert, andauernd zu streiten, andauernd das Gefühlschaos,, andauernd ja und nein.
Ich kann doch nichts dafür, dass ich nicht in dein Lebenskonzept reinpasse, dass ich alles durcheinander bringe. Dass wir uns nicht lieben.
Doch du wolltest es nicht beenden, stattdessen fanden wir zueinander.
In einer nie gekannten Intensität.
Es war wunderschön.
Am nächsten Abend beendete ich es. Ich floh vor mir, vor allem.
Vor dir.
Du hast dir alles angehört, alle Vorwürfe, alle Anschuldigungen, alle vorgeschobenen Gründe.
Ich legte einfach auf. Konnte nicht mit dir reden, konnte dir nicht sagen, dass ich Angst vor mir selber hatte und dich lieber wegstieß als es dir zu sagen. Als dir zu sagen, dass ich zum ersten Mal so intensiv dabei gefühlt hatte und dass es mir Angst gemacht hat. Wirklich eins mit dir zu sein. Ich wusste, dass du verwirrt sein würdest, hatte ich dir doch nie gesagt, dass ich nur spiele.
Doch wir redeten an diesem Abend noch viel und ich habe es dir gesagt.
Wir drehten uns in einer Spirale, du warst stolz, erfreut aber auch erschrocken, weil es für mich ernst wurde und du nicht wusstest, dass es das vorher nicht war.
Ich konnte nicht aufhören zu weinen, auch weil es dir schlecht ging. Wir drehten und drehten uns und doch kam nichts dabei raus.
Ich brauchte deine Umarmung, aber du konntest nicht bei mir sein.
Ich fiel, weil es zu verwirrend war zu stark, zu intensiv.
Unser Hauptproblem wir lieben uns nicht und man sollte niemanden so stark berühren, wenn das nicht der Fall ist. Auch wenn du immer dachtest, dass ich nicht spiele, eine Grenzüberschreitung war zu viel.
Wir schafften es, mir geht es besser und du kannst dich darüber freuen, dass du mich so tief berührt hast.
Ich darüber, dass ich nun weiß, wie tief es gehen kann.
Nun ist es beendet, weil wir uns nicht lieben.
Auch wenn es etwas Magisches zwischen uns gibt.
Ich weiß was du sagen willst, weil ich es an deinem Atem höre.
Auch wenn es etwas Besonderes ist.
Auch wenn wir uns so unendlich wichtig geworden sind, so dass wir immer noch jeden Tag schreiben und telefonieren.
Es kribbelt nicht, wir lieben uns nicht.
Und doch wären wir das perfekte Paar, wissen wir.
Jetzt sehen wir uns erstmal nicht, weil wir Angst haben, dass wir schwach werden könnten.
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Also, ich weiß nicht so recht, aber das klingt für mich u.U. doch nach Liebe, vielleicht sogar einer Bestimmung.
AntwortenLöschenIch denke, Ihr solltet der Sache eine Chance geben.
hhhm, vielleciht muss Liebe in manchen Fällen auch erst wachsen...
LG,
Francis